FAQ speziell für Betroffene:
Was tun, wenn man gegen den eigenen Willen eingewiesen wird?
Ruhe bewahren und nichts überstürzen.
Auch wenn die Situation belastend ist, ist es wichtig, so sachlich wie möglich zu bleiben.
Nach den Gründen fragen.
Verlange eine klare Erklärung, warum du eingewiesen wurdest und auf welcher rechtlichen Grundlage das geschieht.
Nach einer ärztlichen Stellungnahme bitten.
Fordere ein ärztliches Gutachten oder Attest ein, das die Notwendigkeit der Einweisung belegen soll.
Den Verfahrenspfleger einbeziehen.
Sobald ein Verfahrenspfleger bestellt ist, nutze die Möglichkeit, mit ihm deine Sicht der Dinge zu besprechen.
Akteneinsicht beantragen.
Du hast das Recht, die Unterlagen einzusehen, die deine Unterbringung rechtfertigen.
Rechtlichen Beistand suchen.
Wenn möglich, konsultiere einen Anwalt, der Erfahrung mit dem PsychKG hat.
Welche Rechte habe ich als Patient in einer psychiatrischen Einrichtung?
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Du hast das Recht auf eine humane und würdevolle Behandlung.
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Du kannst nach einer Patientenverfügung fragen, wenn du eine hinterlegt hast.
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Du hast Anspruch auf eine regelmäßige ärztliche Untersuchung und Gesprächsmöglichkeiten.
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Du kannst dich beschweren oder eine Beschwerdestelle kontaktieren, falls du dich ungerecht behandelt fühlst.
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Du hast das Recht auf Akteneinsicht und Transparenz über Maßnahmen, die an dir vorgenommen werden.
Wie kann ich mich rechtlich und praktisch vorbereiten?
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Vorher: Patientenverfügung erstellen.
Lege fest, welche Maßnahmen du akzeptierst und welche nicht.
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Kontakte und Vollmachten klären.
Stelle sicher, dass eine vertrauenswürdige Person über deine Wünsche Bescheid weiß und im Notfall handeln kann.
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Dokumentation und Unterlagen bereithalten.
Notiere dir alle bisherigen Diagnosen, Medikamente und bisherigen Therapien, um im Ernstfall alles griffbereit zu haben.
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Notfallnummern speichern.
Halte die Kontaktdaten von Rechtsanwälten, Ombudsstellen oder Betroffenenorganisationen parat.
Ein Leitfaden für Angehörige:
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Zuhören und verstehen:
Bleibe in Kontakt und zeige, dass du die betroffene Person nicht allein lässt.
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Nach den rechtlichen Grundlagen fragen:
Informiere dich, ob und warum die Einweisung notwendig war.
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Patientenverfügung berücksichtigen:
Falls eine Patientenverfügung existiert, setze dich dafür ein, dass sie beachtet wird.
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Begleitung zu Anhörungen:
Biete Unterstützung bei gerichtlichen Anhörungen oder Gesprächen mit Ärzten an.
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Rechtliche Schritte einleiten:
Hilf, Anwälte zu kontaktieren und eventuelle Beschwerden einzureichen.
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Auf Entlassung hinarbeiten:
Fokussiere dich darauf, wie die betroffene Person so schnell wie möglich in eine sicherere Umgebung wechseln kann, z. B. ambulante Betreuung.
Kompakte Checklisten:
Was tun bei Zwangseinweisung?
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Klären, auf welcher Rechtsgrundlage die Einweisung erfolgt.
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Akteneinsicht beantragen.
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Ein Gespräch mit dem Verfahrenspfleger suchen.
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Sich über Patientenrechte informieren.
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Bei Bedarf einen Anwalt einschalten.
Wie reiche ich eine Patientenverfügung ein?
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Dokument schriftlich aufsetzen oder mit einer Beratungsstelle erstellen.
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Unterschreiben und von einem Arzt bestätigen lassen.
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Bei der Klinik hinterlegen und auch der Betreuungsperson übergeben.
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Sicherstellen, dass die Verfügung im Notfall leicht auffindbar ist.
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Regelmäßig prüfen und aktualisieren, falls sich Wünsche ändern.
Wie beantrage ich Akteneinsicht?
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Formlos schriftlich bei der Klinikleitung oder dem zuständigen Arzt beantragen.
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Falls keine Reaktion erfolgt, an die Patientenfürsprecher wenden.
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Rechtlichen Beistand hinzuziehen, falls die Einsicht verweigert wird.
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Eine Kopie der Unterlagen verlangen, um sie in Ruhe zu prüfen.
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Bei Unklarheiten einen zweiten Arzt oder Rechtsanwalt konsultieren.
Hier sind einige Beratungsstellen und Organisationen, die Patienten und Angehörige bei rechtlichen und psychischen Fragestellungen unterstützen können:
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Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
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Kostenloses Beratungstelefon: 0800 011 77 22
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Website: www.patientenberatung.de
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Bietet allgemeine Beratung zu Patientenrechten, Therapieoptionen und Beschwerden
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Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP)
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Unterstützt bei sozialen und rechtlichen Fragen rund um psychiatrische Versorgung.
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Website: www.dgsp-ev.de
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Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE)
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Plattform für Betroffene mit Informationen, Austausch und Unterstützung bei rechtlichen Problemen.
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Website: www.bpe-online.de
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Patienteninitiative e.V.
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Bietet juristische Orientierung, Hilfe bei Beschwerden und Informationen zu Patientenrechten.
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Website: www.patienteninitiative.de
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Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener NRW e.V. (LPE NRW)
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Regionale Anlaufstelle speziell in Nordrhein-Westfalen.
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Website: www.lpe-nrw.de
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Weißer Ring (Opferschutz)
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Für Betroffene, die sich durch Klinikaufenthalte oder rechtliche Probleme verletzt fühlen.
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Website: www.weisser-ring.de
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Betreuungsvereine vor Ort
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Viele kommunale oder kirchliche Betreuungsvereine bieten Beratung an, insbesondere wenn es um Betreuungsrecht oder Patientenverfügungen geht.
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Kontaktdaten erhält man häufig über die Gemeinde oder den Landkreis.
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Psychosoziale Beratungsstellen (Caritas, Diakonie)
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Überregionale und lokale Angebote für psychische Gesundheit und soziale Probleme.
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Zentrale Webseiten:
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Caritas: www.caritas.de
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Diakonie: www.diakonie.de
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Diese Stellen können erste Anlaufpunkte sein, um sich unabhängig zu informieren und Unterstützung bei Beschwerden oder rechtlichen Herausforderungen zu erhalten.