top of page

Glossar & Sprachsensibilität in der Psychiatrie

Psychiatrie & Recht – Begriffe verständlich erklärt

PsychKG (Psychisch-Kranken-Gesetz)

Gesetzliche Grundlage in NRW für Zwangsmaßnahmen wie Unterbringung, Fixierung und medikamentöse Behandlung ohne Einwilligung.

Zwangseinweisung

Unterbringung gegen den Willen, auf Basis eines richterlichen Beschlusses oder akuter Gefahrenlage.

Zwangsfixierung

Mechanisches Festbinden an Armen und Beinen – zulässig nur bei richterlicher Genehmigung ab 30 Minuten Dauer.

Zwangsbehandlung / Zwangsmedikation

Verabreichung von Medikamenten oder Durchführung von Therapien gegen den ausdrücklichen Willen des Patienten.

Verfahrenspfleger

Gerichtlich bestellte Person zur rechtlichen Interessenvertretung – oft ohne juristische oder psychosoziale Fachausbildung.

Einwilligungsfähigkeit

Rechtliche Fähigkeit, selbstständig über eine medizinische Maßnahme zu entscheiden.

PatVerfü (Psychiatrische Patientenverfügung)

Rechtlich bindende Erklärung zu gewünschten und abgelehnten Maßnahmen im Krisenfall.

PEPP-System

Fallpauschalen-Modell für psychiatrische Kliniken – in der Kritik wegen finanzieller Fehlanreize.

Sozialpsychiatrischer Dienst (SpDi)

Öffentliche Anlaufstelle für Menschen in psychischen Krisen. Zuständig für Beratung und Krisenintervention.

Unterbringung

Freiheitsentziehende Maßnahme, die auf gesetzlicher Grundlage und mit richterlicher Genehmigung erfolgt.

Sprachkritik in der Psychiatrie – Begriffe hinterfragen

krankheitseinsichtig

  • Problematisch: Pathologisiert jede Form von Kritik.

  • Besser: „mit eigener Sichtweise“, „kritisch abwägend“

compliant

  • Problematisch: Bedeutet Gehorsam, nicht Kooperation.

  • Besser: „selbstbestimmt in der Behandlung“, „im Dialog“

Störung

  • Problematisch: Abwertung ganzer Persönlichkeitsanteile.

  • Besser: „Muster“, „Erlebensform“

unkritisch

  • Problematisch: Bedeutet „fragt nichts“, aber wird positiv bewertet.

  • Besser: „nimmt Medikation ohne Rückfragen“

agitiert

  • Problematisch: Wird als abwertend für Unruhe genutzt.

  • Besser: „in Not“, „emotional überfordert“

abgegrenzt

  • Problematisch: Wird als negativ gewertet, obwohl es Selbstschutz sein kann.

  • Besser: „setzt Grenzen“, „zieht sich zurück“

dekompensiert

  • Problematisch: Technischer, entmenschlichender Begriff.

  • Besser: „in akuter Krise“, „überlastet“

nicht therapiefähig

  • Problematisch: Ausschlusslabel, das Alternativen ignoriert.

  • Besser: „braucht andere Unterstützung“

Wie Angehörige & Profis mit Sprache helfen können

  • Mit Menschen sprechen, nicht über sie.

  • Beobachten statt bewerten.

  • Fragen statt interpretieren.

  • Gefühle ernst nehmen.

  • Machtfreie Sprache verwenden.

  • Widerstand als Kommunikationsversuch verstehen.

bottom of page