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Forderungskatalog zur Reform des PsychKG NRW

– für Menschenwürde, Transparenz und Kontrolle in der Psychiatrie –

Psychisch krank zu sein darf nicht bedeuten, entmündigt, entrechtet oder vergessen zu werden.

Zwangsmaßnahmen, Einweisungen und Behandlungen ohne Zustimmung greifen tief in Grundrechte ein – in vielen Fällen zu leichtfertig, zu intransparent, zu stillschweigend.

Das PsychKG NRW muss dringend reformiert werden. Wir fordern deshalb:

 

Strukturreform des Gutachtensystems

Ziel: Verbindliche Qualitätsstandards für ärztliche Gutachten und unabhängige Zweitmeinung

  • Klare gesetzliche Vorgabe: Nur Fachärzt:innen mit mindestens 1 Jahr psychiatrischer Erfahrung dürfen PsychKG-Gutachten verfassen.

  • Pflicht zur persönlichen Exploration und zur Anwendung der ICD-10/11-Diagnostik.

  • Einführung eines standardisierten Gutachtenformulars mit Checklisten.

  • Verpflichtendes Zweitgutachten nach 48 Stunden Unterbringung.

  • Verbot von Ferngutachten (ohne persönlichen Kontakt).

Stärkung der richterlichen Unabhängigkeit

Ziel: Faire Entscheidungen ohne institutionelle Nähe zu Klinik oder Ordnungsamt

  • Rotation der Amtsrichter:innen oder externe Zuständigkeit bei Unterbringungsverfahren.

  • Verpflichtende Videoaufzeichnung aller Anhörungen zum Schutz vor Missbrauch.

  • Pool unabhängiger Verfahrenspfleger:innen, regelmäßig evaluiert.

  • Externe Kontrolle über Entscheidungen im Eilverfahren durch eine Landesaufsicht.

Begrenzung und Kontrolle der Zwangsmedikation

Ziel: Behandlung mit Zustimmung – Zwang nur bei Lebensgefahr, und nur mit richterlichem Beschluss

  • Zwangsbehandlung nur bei nachgewiesener Einwilligungsunfähigkeit.

  • Schriftlicher Nachweis über vorherige Einigungsversuche und Alternativangebote.

  • Einrichtung eines Klinik-internen Ethikgremiums zur Prüfung jeder beantragten Zwangsmaßnahme.

  • Verbindliche Berücksichtigung von Patientenverfügungen – keine Umgehung durch „fachliche Einschätzung“.

  • Gerichtliche Genehmigungspflicht auch bei kurzfristigen Notfallbehandlungen (nachträglich rückprüfbar).

Transparenz und Kontrolle in Echtzeit

Ziel: Kein System ohne Kontrolle – öffentlicher Zugriff auf Zahlen, Maßnahmen, Beschwerden

  • Einrichtung eines öffentlich einsehbaren Zwangsmaßnahmenregisters je Klinik und Region.

  • Verpflichtende jährliche Berichtspflicht an den Landtag mit unabhängiger Auswertung.

  • Einführung eines digitalen Meldesystems für Betroffene und Angehörige mit Eskalationsoption.

  • Verstärkte Rolle für Besuchskommissionen mit unangekündigten Audits.

  • Förderung von Peer-Beratungen (ehemals Betroffene) in allen stationären Einrichtungen.

Zugang, Rechtsschutz und Partizipation für Betroffene

Ziel: Nicht über Menschen urteilen, sondern mit ihnen entscheiden

  • Jede betroffene Person erhält beim Erstkontakt mit dem System ein Rechts- & Aufklärungsblatt in einfacher Sprache.

  • Einrichtung einer landesweiten Ombudsstelle für Psychiatriefragen, die unabhängig arbeitet und Beschwerden ernsthaft prüft.

  • Finanzielle Unterstützung für die Organisation von Betroffenenvertretungen und politischen Interessenverbänden.

  • Beteiligung von Betroffenen in Reformkommissionen und Gesetzesanhörungen.

Aufarbeitung und Reformkommission

Ziel: Konsequente politische Auseinandersetzung mit Fehlentwicklungen

  • Einrichtung einer paritätisch besetzten Reformkommission auf Landesebene (NRW), u. a. mit:

  • Betroffenenvertretung

  • Jurist:innen

  • Klinik- und Pflegepersonal

  • Menschenrechtsexpert:innen

  • Ziel: Vollständige Überarbeitung des PsychKG NRW unter Einbeziehung der UN-Behindertenrechtskonvention.

  • Evaluationspflicht: Jährliche Erhebung und Veröffentlichung der Wirkung von Zwangsmaßnahmen & Beschwerdestatistiken.

 

Was Sie tun können – Call to Action:

  • Unterstützen Sie diesen Forderungskatalog – teilen Sie ihn auf Social Media, senden Sie ihn an Ihre Abgeordneten, machen Sie Druck!

  • Kontaktieren Sie Ihre/n Abgeordnete/n im Landtag NRW oder Bundestag.

  • Fordern Sie: „Keine Entmündigung unter dem Deckmantel des Schutzes!“

Unterzeichnen Sie unsere Initiative zur Reform des PsychKG
https://www.change.org/Psyschkgnrw
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